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Welche Schiffs-Länge darf es denn bitteschön sein ... ?
Meier-... Maier-... Mayer-... > NEIN > MEYER-Werft

Es gibt keinen Stapellauf eines Kreuzfahrt-Giganten, nein, es ist ein einfacher Besuch bei der Meyer-Werft in Papenburg an der Ems. Ach ja, die Ems, dieser idyllische Fluss, 371 km lang, davon theoretisch 238 km schiffbar. Ab Papenburg sind es noch 30 km bis zur Mündung in den Dollart. Und diese 30km haben es in sich, denn hier sollen die Kreuzfahrt-Schiffsriesen mit einer Länge über 300m, über 40m Breite und einem Tiefgang über 8m nach dem Bau auf der Meyer-Werft ausgedockt und "abgeliefert" werden.

In Papenburg steuerte unser Bus (Beckmann Reisen) den Bereich des alten Werft-Geländes an. Die alten Hallen, in denen bis zum 19.Jahrhundert Schiffe bis zu einer Länge von 135m gebaut wurden, sind inzwischen städtebaulich als Touristik- und Wohn-Zentrum modern gestaltet und genutzt.

Um 11,15Uhr besteigen wir die MS Papenburg zu einer einstündigen Hafenrundfahrt. Der zünftige Käpt'n mit Rauschebart und selbstgestricktem Käppi erzählt so manche Geschichte und gibt sich redlich Mühe, die Belange des Papenburger Hafens positiv darzustellen. Aber es bleibt der Eindruck, dass der entscheidende Wirtschaftsfaktor hier in Papenburg die Meyer-Werft ist! Neben Abwrackbetrieben und zahlreichen Massengutumschlagsanlagen ist z.B. kein einziger Container als Symbol des zeitgemäßen Schifffahrtsumschlags zu sehen.

In den Randbereichen der Meyer-Werft ziehen wir manche Kreise im Vorbecken mit entsprechenden Ausführungen des Käptn‘s: Zahlen, Zahlen und nochmal Zahlen; dem staunenden Besucher kann schwindelig werden:

  • die Meyer-Werft verfügt über 2 Hallen-Dockanlagen, bei deren theoretisch gleichzeitiger Flutung der Wasserstand in den durch die Dock-Schleuse von der Ems abgetrennten Hafenbereichen um 0,75m sinken würde
  • die an der Hallenaußenwand aufgemalte Flagge mit den Papenburger Farben hat eine Länge von 96m
  • und dann die Zahlen zu dem jetzt im Bau befindlichen 335m langen Kreuzfahrtriesen (wird im August nach 14monatiger Bauzeit fertiggestellt, Kosten 800Mio EURO), von der Anzahl und Größe der Kabinen, der Fläche des verlegten Teppichbodens, der Anzahl der Sessel bis zu den sonstigen Schiffsdaten ...

Zahlenpause beim Mittagessen. Danach sind wir wieder aufnahmefähig für die Werft-Besichtigung!

Unsere Gruppe mit 23 Mitgliedern wird von einer Mitarbeiterin der Meyer-Werft freudig begrüßt und in den Verkaufsraum geführt: Welche Schiffslänge wünschen Sie gerne ... ? Hallo, es muß wohl eine Verwechslung vorliegen, wir wollen lediglich die Werft besichtigen ! 

Also los:

Der Stolz, für diese Werft arbeiten zu können (dürfen) schwingt mit uneingeschränkter Loyalität zur Firma in jedem Satz mit ! Die Besuchergruppen werden nacheinander in Filmräume zu kurzen Multi-Media-Sequenzen, durch den Modell-Ausstellungsraum, an Schautafeln mit mündlichen Erläuterungen  vorbei und schließlich nach 1 Stunde auf die verglaste Aussichts-Galerie im großen Hallendock geführt. Danach gibt’s weitere Schautafeln und Modelle sowie zum Abschluss eine sehenswerte, mit vielen Medien-Effekten gestaltete Darbietung einer Emsüberführung und einen Blick in das kleine Hallendock auf dem Weg zum Souvenir-Shop im Ausgangsbereich.

Alles ist im modernstem Media-Ambiente dargestellt, alle Fragen werden beantwortet, Fotos sind selbstverständlich erlaubt. Es wird dem Besucher in jedem Augenblick vor Augen geführt, dass die Meyer-Werft sich ihrer Stellung in der Welt der Schiffswerften bewusst ist. Und außerdem gehören viele Besucher sicherlich auch zu den gern gesehenen Passagieren dieses boomenden Kreuzfahrtreisen-Segments.

Die Meyer-Werft wird in 7. Generation als Familienbetrieb zur Zeit von Bernhard Meyer (Jg. 48) geführt. Sohn Jan ist Chef der in Turku (Finnland) zugekauften Werft. Da nach den in der früheren Werftgeschichte vorwiegend gebauten Schiffen (Gastanker, Fähren, Spezialschiffe, usw.) inzwischen der Bau von Kreuzfahrtschiffen das Werftgeschehen dominiert (Werft ist bis weit nach 2020 ausgebucht) steht das Management wegen der Schiffs-Ausmaße vor stetig neuen Herausforderungen. Nach dem Bau des großen Hallendocks wird jetzt mit dem logistischen Verfahren der Sektoren-, Blockbauweise erreicht, dass quasi 2 Schiffe gleichzeitig gebaut werden können, obwohl sie nicht beide in die Hallen passen würden: die Sektoren (selektierte Deckselemente) werden im kleinen Hallendock vorgefertigt (z.T. in Längsrichtung, weil sie von der Breite her nicht in die Halle passen), danach zu Blöcken übereinander geschichtet und zuletzt im großen Hallendock blockweise zu einer "Schiffs-Scheibe" für das folgende Schiff zusammengesetzt. Zur Bewegung der Elemente steht ein 900to-Kran zur Verfügung. Dahinter in der Halle wird das kurz vor der Fertigstellung befindliche Schiff endmontiert. Eine weitere "Schiffs-Scheibe" für das folgende Schiff befindet sich schon im Außen-Dockbereich.

Die Werft in Turku verfügt nicht über Hallen, aber über eine Dock-Breite von 80m. Hier in Papenburg wird die mögliche Schiffsbau-Breite nicht nur durch die Hallendocks, sondern auch durch die Überführungsengpässe auf der Ems begrenzt.

Die Meyer-Werft mit ihren 3200 eigenen Mitarbeitern und ca. 21000 Menschen, die direkt und indirekt in der Region betroffen sind, bildet einen entsprechenden Wirtschaftsfaktor; das muss als Argument von möglichen Bedenkenträgern aus Politik und Umweltverbänden durchaus bedacht werden. Aber der Eindruck bleibt: trotz aller moderner Logistik- und Fertigungsverfahren wird der Gigantismus irgendwann nicht mehr fortgesetzt werden können.

Der Besuch war sehr eindrucksvoll; in Erinnerung bleiben die Größenordnungen dieser Schiffsbau-Branche, die Technik-Merkmale z.B. POD-Antriebe (Propeller-Gondelantriebe ohne Ruder als drehbare Elektromotoren mit stromspeisenden Flüssiggas-Motor-Generatoren) und auch die Schiffs-Ausstattungs-Merkmale vor allem im Entertainment-Bereich (Kletterwände, Autoscooter-Bahnen, Fallschirmsprung-Anlagen, Gondeln für Passagier-Außenbord-Vergnügen 90m über dem Wasser, robotergesteuerte Drink-Mix-Anlagen mit von der Bar-Decke hängenden Flaschen (Flaschenhals nach unten), ...). Wenn's denn gewünscht wird; das Konsumverhalten der Kunden und Passagiere hat es in der Hand ... 

Zum Schluß noch folgende amüsante Zufallsbegebenheit: als ich morgens um 6Uhr vor der S-Bahn-Fahrt nach Hannover-ZOB auf den Bahnsteig in Bennigsen komme, stehen dort 2 bekannte Ehepaare aus dem Nachbarort. Nach der Begrüßung eröffnen sie mir freudig, dass sie heute einen interessanten Bus-Ausflug zur Meyer-Werft in Papenburg unternehmen wollen ... 

feS -.-.- 29.06.2016



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Es gibt keinen Stapellauf eines Kreuzfahrt-Giganten, nein, es ist ein einfacher Besuch bei der Meyer-Werft in Papenburg an der Ems. Ach ja, die Ems, dieser idyllische Fluss, 371 km lang, davon theoretisch 238 km schiffbar. Ab Papenburg sind es noch 30 km bis zur Mündung in den Dollart. Und diese 30km haben es in sich, denn hier sollen die Kreuzfahrt-Schiffsriesen mit einer Länge über 300m, über 40m Breite und einem Tiefgang über 8m nach dem Bau auf der Meyer-Werft ausgedockt und "abgeliefert" werden.

In Papenburg steuerte unser Bus (Beckmann Reisen) den Bereich des alten Werft-Geländes an. Die alten Hallen, in denen bis zum 19.Jahrhundert Schiffe bis zu einer Länge von 135m gebaut wurden, sind inzwischen städtebaulich als Touristik- und Wohn-Zentrum modern gestaltet und genutzt.

Um 11,15Uhr besteigen wir die MS Papenburg zu einer einstündigen Hafenrundfahrt. Der zünftige Käpt'n mit Rauschebart und selbstgestricktem Käppi erzählt so manche Geschichte und gibt sich redlich Mühe, die Belange des Papenburger Hafens positiv darzustellen. Aber es bleibt der Eindruck, dass der entscheidende Wirtschaftsfaktor hier in Papenburg die Meyer-Werft ist! Neben Abwrackbetrieben und zahlreichen Massengutumschlagsanlagen ist z.B. kein einziger Container als Symbol des zeitgemäßen Schifffahrtsumschlags zu sehen.

In den Randbereichen der Meyer-Werft ziehen wir manche Kreise im Vorbecken mit entsprechenden Ausführungen des Käptn‘s: Zahlen, Zahlen und nochmal Zahlen; dem staunenden Besucher kann schwindelig werden:

  • die Meyer-Werft verfügt über 2 Hallen-Dockanlagen, bei deren theoretisch gleichzeitiger Flutung der Wasserstand in den durch die Dock-Schleuse von der Ems abgetrennten Hafenbereichen um 0,75m sinken würde
  • die an der Hallenaußenwand aufgemalte Flagge mit den Papenburger Farben hat eine Länge von 96m
  • und dann die Zahlen zu dem jetzt im Bau befindlichen 335m langen Kreuzfahrtriesen (wird im August nach 14monatiger Bauzeit fertiggestellt, Kosten 800Mio EURO), von der Anzahl und Größe der Kabinen, der Fläche des verlegten Teppichbodens, der Anzahl der Sessel bis zu den sonstigen Schiffsdaten ...

Zahlenpause beim Mittagessen. Danach sind wir wieder aufnahmefähig für die Werft-Besichtigung!

Unsere Gruppe mit 23 Mitgliedern wird von einer Mitarbeiterin der Meyer-Werft freudig begrüßt und in den Verkaufsraum geführt: Welche Schiffslänge wünschen Sie gerne ... ? Hallo, es muß wohl eine Verwechslung vorliegen, wir wollen lediglich die Werft besichtigen ! 

Also los:

Der Stolz, für diese Werft arbeiten zu können (dürfen) schwingt mit uneingeschränkter Loyalität zur Firma in jedem Satz mit ! Die Besuchergruppen werden nacheinander in Filmräume zu kurzen Multi-Media-Sequenzen, durch den Modell-Ausstellungsraum, an Schautafeln mit mündlichen Erläuterungen  vorbei und schließlich nach 1 Stunde auf die verglaste Aussichts-Galerie im großen Hallendock geführt. Danach gibt’s weitere Schautafeln und Modelle sowie zum Abschluss eine sehenswerte, mit vielen Medien-Effekten gestaltete Darbietung einer Emsüberführung und einen Blick in das kleine Hallendock auf dem Weg zum Souvenir-Shop im Ausgangsbereich.

Alles ist im modernstem Media-Ambiente dargestellt, alle Fragen werden beantwortet, Fotos sind selbstverständlich erlaubt. Es wird dem Besucher in jedem Augenblick vor Augen geführt, dass die Meyer-Werft sich ihrer Stellung in der Welt der Schiffswerften bewusst ist. Und außerdem gehören viele Besucher sicherlich auch zu den gern gesehenen Passagieren dieses boomenden Kreuzfahrtreisen-Segments.

Die Meyer-Werft wird in 7. Generation als Familienbetrieb zur Zeit von Bernhard Meyer (Jg. 48) geführt. Sohn Jan ist Chef der in Turku (Finnland) zugekauften Werft. Da nach den in der früheren Werftgeschichte vorwiegend gebauten Schiffen (Gastanker, Fähren, Spezialschiffe, usw.) inzwischen der Bau von Kreuzfahrtschiffen das Werftgeschehen dominiert (Werft ist bis weit nach 2020 ausgebucht) steht das Management wegen der Schiffs-Ausmaße vor stetig neuen Herausforderungen. Nach dem Bau des großen Hallendocks wird jetzt mit dem logistischen Verfahren der Sektoren-, Blockbauweise erreicht, dass quasi 2 Schiffe gleichzeitig gebaut werden können, obwohl sie nicht beide in die Hallen passen würden: die Sektoren (selektierte Deckselemente) werden im kleinen Hallendock vorgefertigt (z.T. in Längsrichtung, weil sie von der Breite her nicht in die Halle passen), danach zu Blöcken übereinander geschichtet und zuletzt im großen Hallendock blockweise zu einer "Schiffs-Scheibe" für das folgende Schiff zusammengesetzt. Zur Bewegung der Elemente steht ein 900to-Kran zur Verfügung. Dahinter in der Halle wird das kurz vor der Fertigstellung befindliche Schiff endmontiert. Eine weitere "Schiffs-Scheibe" für das folgende Schiff befindet sich schon im Außen-Dockbereich.

Die Werft in Turku verfügt nicht über Hallen, aber über eine Dock-Breite von 80m. Hier in Papenburg wird die mögliche Schiffsbau-Breite nicht nur durch die Hallendocks, sondern auch durch die Überführungsengpässe auf der Ems begrenzt.

Die Meyer-Werft mit ihren 3200 eigenen Mitarbeitern und ca. 21000 Menschen, die direkt und indirekt in der Region betroffen sind, bildet einen entsprechenden Wirtschaftsfaktor; das muss als Argument von möglichen Bedenkenträgern aus Politik und Umweltverbänden durchaus bedacht werden. Aber der Eindruck bleibt: trotz aller moderner Logistik- und Fertigungsverfahren wird der Gigantismus irgendwann nicht mehr fortgesetzt werden können.

Der Besuch war sehr eindrucksvoll; in Erinnerung bleiben die Größenordnungen dieser Schiffsbau-Branche, die Technik-Merkmale z.B. POD-Antriebe (Propeller-Gondelantriebe ohne Ruder als drehbare Elektromotoren mit stromspeisenden Flüssiggas-Motor-Generatoren) und auch die Schiffs-Ausstattungs-Merkmale vor allem im Entertainment-Bereich (Kletterwände, Autoscooter-Bahnen, Fallschirmsprung-Anlagen, Gondeln für Passagier-Außenbord-Vergnügen 90m über dem Wasser, robotergesteuerte Drink-Mix-Anlagen mit von der Bar-Decke hängenden Flaschen (Flaschenhals nach unten), ...). Wenn's denn gewünscht wird; das Konsumverhalten der Kunden und Passagiere hat es in der Hand ... 

Zum Schluß noch folgende amüsante Zufallsbegebenheit: als ich morgens um 6Uhr vor der S-Bahn-Fahrt nach Hannover-ZOB auf den Bahnsteig in Bennigsen komme, stehen dort 2 bekannte Ehepaare aus dem Nachbarort. Nach der Begrüßung eröffnen sie mir freudig, dass sie heute einen interessanten Bus-Ausflug zur Meyer-Werft in Papenburg unternehmen wollen ... 

feS -.-.- 29.06.2016